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EXKLUSIV: Kelsey Egan im Gespräch

Die US-amerikanische Regisseurin Kelsey Egan besuchte am 7. September die Vorstellung ihres Kurzfilms GARGOYLE. Nach der Vorstellung sprachen unsere Festivalreporterinnen Kristina und Marlen mit ihr über ihr erstes Regieprojekt.

 

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Kelsey, dein Film GARGOYLE handelt von zwei Brüdern, die in einer Gesellschaft aufwachsen, die den Kindern hier in Deutschland sehr fremd ist. Was macht das Leben in Südafrika so schwierig? 

Neben der großen Armut, die das Land beherrscht, gibt es noch immer Konflikte zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Außerdem ist die Krankheit AIDS ein großes Problem. Kinder wachsen oft bei ihren Geschwistern oder Verwandten auf, weil sie ihre Eltern verloren haben. Viele Menschen sind nicht gut ausgebildet und müssen schlecht bezahlte Arbeiten verrichten oder sich nachts gewaltsam Geld beschaffen. Ich schätze es sehr an Europa und den USA, dass man auch abends noch auf die Straße gehen kann. In Südafrika ist das zu gefährlich. 

 

Du kommst eigentlich aus den USA. Hast du einmal in Afrika gelebt oder woher kennst du das Land so gut? 

Nach der Schule bin ich für sechs Monate nach Südafrika und habe dort gearbeitet. Nach meiner Rückkehr in die USA haben mich die Erinnerungen an das Land nicht losgelassen und so bin ich 2007 wieder zurück gekehrt und lebe seither in Johannesburg.

 

Auch das Drehbuch von GARGOYLE stammt von dir. Was hat dich inspiriert? 

In meinem Umfeld habe ich ganz ähnliche Geschichten wie die von Vuyo und seinem Bruder Themba aus GARGOYLE miterlebt. Ein Freund von mir hatte selbst plötzlich kein Geld mehr, um die Schule zu besuchen. Mir ging es beim Schreiben der Geschichte darum, etwas über die Verhaltensweisen anderer Kulturen zu vermitteln. Bücher und Filme sind das beste Mittel, andere Lebensweisen kennen- und verstehen zu lernen.

 

Kanntest du die beiden Hauptdarsteller persönlich? 

Themba wird gespielt von einem befreundeten Schauspielkollegen, der mittlerweile in Los Angeles lebt und arbeitet. Vuyo heißt auch im wirklichen Leben Vuyo und wohnte in meiner Nachbarschaft. Er lebt selbst in ähnlichen Verhältnissen wie der Junge im Film und war sehr glücklich über seine erste und wahrscheinlich einzige Filmrolle. Er ist auch der einzige, der für seine Arbeit am Film ein bisschen Geld bekam. Außerdem haben wir es erschafft, ihm ein Schulstipendium für die nächsten fünf Jahre zu besorgen. Jetzt hat er vielleicht eine Perspektive und darüber bin ich sehr glücklich.

 

Ist es etwas Besonderes in Südafrika zur Schule zu gehen? 

Ja, leider schon. Es gibt nur wenige staatliche Schulen, die kostenfrei sind, aber die sind nicht besonders gut. Alle anderen Schulen kosten sehr viel Geld und das können sich viele Familien nicht leisten. Daher haben die meisten Kinder zu wenig Bildung, um einen guten Job zu bekommen und müssen wie Themba zum Beispiel als Wächter für wenig Geld arbeiten oder andere ausrauben.

 

Was bedeutet der Titel GARGOYLE? 

Gargoyles sind Wasserspeier, die oft zum Schutz von Häusern an der Fassade angebracht sind. Durch ihr schauriges Aussehen – meist in Form phantastischer Tiergestalten – wirken sie in der Nacht viel gruseliger als bei Tageslicht. Themba ist wie einer der Gargoyles. Es ist der Beschützer seines kleinen Bruders, der nachts zur Bedrohung für andere wird, um für Vuyo zu sorgen.

 

Die Bilder in deinem Film haben eine starke Anziehungskraft – manche sind besonders schön, andere wieder sehr schlimm anzusehen. Vor allem die Gewalt wird nicht versteckt, sondern offen gezeigt. Welches Bild von Südafrika wolltest du vermitteln? 

Ich wollte zwei Seiten eines Landes zeigen. Ich habe in Südafrika die nettesten Menschen getroffen, alle sind so freundlich und man kann im ersten Moment kaum glauben, wie viele Grausamkeiten dort passieren. Gewalt ist dort Realität, jeder hat sie bereits erlebt und vielleicht sind die Bilder für Menschen in Europa oder den USA schockierender. Aber man sieht gleichzeitig, wie normal es dort sein kann: Kinder, die sich auf Schulausflüge freuen, gerne malen, Musik hören und sich für die Natur begeistern. Die Szenen in der Schule zeigen, wie multikulturell dieses Land ist. Völlig verschiedene Nationalitäten sitzen gemeinsam in einem Klassenraum. Auch das ist Südafrika!

 

 

Die studierte Neurowissenschaftlerin Kelsey Egan stammt aus den USA und zog 2007 nach Südafrika. Die 26-jährige entdeckte ihre Leidenschaft zur Schauspielerei und arbeitet seit 2005 im Filmgeschäft. Ihr Regiedebüt GARGOYLE läuft im LUCAS-Wettbewerb 2009.

 


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