EXKLUSIV: Andrea Kiss im Gespräch
Mit Mann und zwei Monate altem Kind reiste die Regisseurin Andrea Kiss aus Belgien an, um im Interview mit Kristina und Marlen über DIE GESCHWÄTZIGE MAUS und den schmalen Grat zwischen Wahrheit und Lüge zu sprechen.
Dein Kurzfilm DIE GESCHWÄTZIGE MAUS handelt von der Magie des Geschichtenerzählens. Erzählst du selbst auch gerne Geschichten?
Ja, total. Aber in diesem Fall, gab es ein Buch von Ervin Lázár, einem ungarischen Schriftsteller und Geschichtenerzähler, das ich als Vorlage benutzt habe. Das kenne ich selbst noch aus meiner Kindheit und hatte schon immer den Wunsch einen Film daraus zu machen.
Wie genau ist der Film entstanden? Hast du alle Bilder gemalt oder wurde auch mit dem Computer gearbeitet?
Insgesamt haben drei Leute die gesamten Hintergrundbilder mit Wasserfarbe gemalt. Für die Figuren haben wir kleine Papierstücke angemalt und daraus Arme, Beine und den Kopf geformt. So konnten wir die einzelnen Körperteile zusammenfügen und immer wieder bewegen. Das Zusammensetzen von Hintergrund und Figuren wurde am Computer gemacht. So konnten wir verschiedene Bilder übereinander legen und Figuren oder Büsche in den Vordergrund oder Hintergrund rücken. Das ist eine Methode, die man auch schon in den alten Walt-Disney-Filmen angewandt hat – damals natürlich ohne Computer.
Manchmal gibt es überhaupt keine Musik. Man hört aber viele tolle Geräusche, wie das Klingeln der Glockenblume oder das Heulen des Wolfes. Wie sind diese Geräusche entstanden?
Dafür hatten wir sogenannte Sounddesigner, das heißt Leute, die sich zu den Bildern überlegen, welche Geräusche man braucht und sie dann extra aufnehmen. Sie hatten eine riesige Kiste mit ganz vielen Dingen aus dem Alltag dabei und haben versucht die verschiedenen Laute oder Klänge nachzumachen.
Die Maus im Film erzählt nicht immer die Wahrheit und flunkert die Tiere im Wald oft an. Warum macht sie das?
Das stimmt, man weiß nie genau, ob die Geschichten wahr sind oder nicht, aber das spielt doch eigentlich gar keine Rolle, oder? Er ist durch seine kleinen Lügen doch auch ein Helfer in der Not und macht anderen Mut, wie dem Wolf in seiner Grube zum Beispiel. Oder er unterhält die Tiere in der Bar und sie freuen sich über seine Erzählungen.
Heute haben ganz viele Kinder deinen Film gesehen. Sicherlich wolltest du damit nicht sagen, dass sie ruhig alle ganz viel lügen sollen...
Nein, grundsätzlich soll man natürlich keine Lügen erzählen. Aber die Wirklichkeit ist nun einmal nicht so einfach, es geht nicht darum zwischen „lügen“ und „nicht lügen“ zu unterscheiden. Man kann nicht immer eine gute Person sein, aber man sollte es versuchen. Die Maus lügt auch nie, um sich einen Vorteil zu verschaffen oder jemanden auszutricksen.
Es scheint fast als wäre DIE GESCHWÄTZIGE MAUS ebenso ein Film für Erwachsene wie für Kinder?
Ja, in jedem Fall. Ervin Lázár schreibt sehr doppeldeutig und seine Geschichten haben immer einen speziellen Witz und Hang zum Philosophischen.
Fühlst du dich hier bei LUCAS wohl mit deiner Familie?
Es ist großartig hier zu sein, wir wurden so herzlich empfangen und genießen es sehr hier zu sein. Besonders schön ist es, dass wir auch mit unserem kleinen Baby so willkommen sind, ich bin sicher, das wäre nicht überall so.
Und ihr Mann fügt hinzu: Ich liebe das Hotel Nizza. Es erinnert mich so stark an MON ONCLE (1958) von Jaques Tati und es ist wunderbar zu sehen, wie dieses alte Gebäude in eine so moderne Stadt integriert ist. Alleine für dieses Hotel würde ich wiederkommen.
Die 1973 in Budapest geborene Regisseurin lebt in Belgien und arbeitet außerdem als Illustratorin und Grafikkünstlerin. Für ihre bisherigen Kurzfilm erhielt se bereits mehrfache Auszeichnungen.


